Matthias Müller - Signs: Zeichen der Vielfalt


Mit "Signs" legt Matthias Müller seine lange erwartete dritte Solo-CD vor und stellt eindrücklich unter Beweis, weshalb er in den vergangenen Jahren zu einem international gefragten Didgeridoo-Spieler avanciert ist. In dreizehn Tracks, die überwiegend um ein spezifisches Thema oder einen Ort kreisen, entfaltet sich dem Hörer ein überaus vielfältiges Klangspektrum, in welchem sowohl seine stupende Technik, die profunde Kenntnis als auch die jahrelange Auseinandersetzung mit der Kultur der australischen Aborigines auf intensive Weise zum Ausdruck kommen.

Die Qualität des Albums zeigt sich nicht nur in der ausgesprochen hohen stilistischen und technischen Diversität, in der die Titel vorgetragen werden, sondern auch in der vollkommenen Individualität der Spielweise. Sehr überzeugend gelingt es Matthias Müller, den ursprünglichen authentischen Charakter dieses uralten und für die Ureinwohner Australiens heiligen rituellen Instruments zu wahren und auf respektvolle Weise in unsere heutige Zeit zu übertragen. Dabei kommt er gänzlich ohne romantisierend-verkitschte oder esoterisch angehauchte Ethno-Elemente aus, von der die europäische Sicht auf die genuine australische Kultur oftmals getrübt wird.

Während den Aufnahmen im Oktober 2009. Foto von Marc Gilgen

Matthias Müller beherrscht das Didgeridoo virtuos und die schwierig zu erlernende und physisch fordernde Atemtechnik in Perfektion, ohne dass deshalb sein Spiel im rein Technischen erstarren würde. Dies ermöglicht ihm vielschichtige Klangvariationen sowie enorme Rhythmus- und Tempiwechsel scheinbar mühelos und beschwingt vorzutragen. Seine musikalischen Interpretationen stehen ganz im Geiste des Charakters des Instruments. Die Vielfalt und Fülle der Klänge, die er diesem einfach anmutenden Instrument entlockt, ist beeindruckend und begeistert und überrascht immer wieder aufs Neue. Dabei kommt er ganz ohne technische Nachbearbeitung im Studio wie Overdubs u. dergl. aus. Die ganze energetische Kraft von Matthias Müllers Spielweise zeigt sich im Vergleich der Studio- bzw. Live-Aufnahmen der beiden Tracks "Tornado" und "Confidence" in aller Deutlichkeit. All die Töne scheinen gleichsam in diesem ausgehöhlten Holzstamm zu ruhen und nur darauf zu warten, vom Musiker freigesetzt und in die Welt getragen zu werden. Instrument und Musiker gehen eine innige Symbiose ein und verschmelzen zu einem einzigen Resonanzkörper. Die Klangwellen hallen in der Welt und im Hörer nach, lösen somit wieder neue Schwingungen aus, sodass sich der Kreislauf gewissermaßen schließt.

So individuell die einzelnen Tracks sich ausnehmen, sie werden von einer dichten intensiven Grundstimmung, einem "energetischen Fliessen", welches sich leitmotivisch durch die CD zieht, zusammengehalten. Die kompromisslos an- und abschwellenden Klangfolgen des Openers "Arnhemland" evozieren dem Hörer die spröde Schönheit der weiten, offenen Landschaft des australischen Outbacks und stimmen musikalisch bestens auf das Nachfolgende ein. Klingt zu Beginn der beiden nächsten Tracks Volkstümliches (Alphorn in "Corvatsch", bzw. Tanzbares in "Brazil") an, setzt sich rasch die individuelle Prägung von Matthias Müllers Spiel durch. Es ist charakteristisch für sein Musikverständnis, dass er eine mögliche Erwartungshaltung des Hörers nicht bedient, sondern stets ein sehr persönliches Moment, eine empathische Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema anstrebt. Auf diese Weise schafft Matthias Müller vielschichtige - mal subtil sensible, mal kraftvoll strömende - Klangstrukturen, die intimen Dialogen ("Love", "Confidence") gleichkommen oder in denen die eigene Befindlichkeit befragt wird ("Mixed", "Overdrive" oder "Emergency"), die ins Medium der Musik übertragen werden. Eine eindeutige Aussage wird dabei bewusst offen gehalten, ohne dass deshalb der Eindruck des Beliebigen oder Diffusen entstünde. Die vibrierend-sonoren, gleichsam "geerdeten" rhythmischen Klänge verdichten sich zu tragenden Strukturen und erzeugen ein angenehmes Klima, in welchem der Hörer genügend Raum für eigene Assoziationen vorfindet.

Diese Musik ist ein Angebot an einen offenen Hörer, der physisch wie mental in diesen durch die Klänge freigesetzten kraftvollen energetischen Strom eintaucht und sich mit diesem treiben lässt. Dann wird diese Erfahrung zu einem bereichernden und erfüllenden Erlebnis und man gewinnt den Eindruck, einer Initiation beigewohnt zu haben.

 

 

Invar-Torre Hollaus, Basel im Oktober 2009

Release am 27.11.2009

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CD "Signs"