Zum Ursprung des Didgeridoos mit Matthias Müller
Von Peter Kaupp, 2004
Haben Sie schon einmal versucht ein Didgeridoo zu spielen? Wenn ja, dann können Sie sich bestimmt noch an das hochkommende Glücksgefühl erinnern, wenn es gelingt, diesem wunderbaren Instrument erste echte Töne zu entlocken. So mancher wird vom Sog und der Faszination des Didgeridoospielens eingezogen und macht sich begeistert an das Erlernen der zirkulären Atmung. Ein ähnliches Glücksgefühl verspürte auch ich, als ich mich am 1. August 2004 zum Flughafen Zürich aufmachte, um an einer ganz besonderen Reise teilzunehmen.
Matthias Müller, Didgeridoomusiker aus Basel, hier ausführlich vorzustellen, wäre Wasser in den Rhein getragen. Er gilt weltweit als einer der besten Didgeridoomusiker. Er gehört auch zu den Wenigen, welchen es gelungen ist, von der Musik zu leben. Seine Idee, Didgeridoospieler aus ganz Europa zum Ursprung des Didgeridoos zu führen, fand ich sehr interessant. Ich war in höchstem Masse fasziniert davon. Auch ich als langjähriger Didgeridoospieler wollte schon immer mehr über die Kultur und über das Leben der Aborigines erfahren.
So fanden sich am 1. August acht Seelenverwandte, 2 Didgeridoospielerinnen und 6 Didgeridoospieler, am Flughafen Zürich ein. In der Reisegruppe entwickelte sich schnell eine angenehme Atmosphäre. Matthias Müller und mir war es ein grosses Anliegen, dass sich die Reiseteilnehmer und Reiseteilnehmerinnen wohl fühlten in der Gruppe. Sofort wurde angeregt darüber diskutiert, was uns wohl in den nächsten 23 Tagen erwarten würde. Die Flüge von Zürich nach Frankfurt und von Frankfurt nach Singapore verliefen entspannt und boten viel Gelegenheit, uns gegenseitig zu beschnuppern. Beim Stop-Over in Singapore hatten wir bereits den Eindruck, uns schon länger zu kennen.
Obwohl Singapore für manche eine gewaltige Erscheinung darstellt, verliessen wir diese moderne und eigentlich asienuntypische Weltstadt gerne in Richtung Down-Under. Wir brannten darauf, endlich australischen Boden unter den Füssen zu spüren. Die Quantas-Maschine landete frühmorgens im tropischen Darwin. Den australischen Einwanderungsbehörden boten wir ein merkwürdiges Bild. Warum in aller Welt bringen Touristen Didgeridoos nach Australien mit? Natürlich hatten wir alle unser persönliches Didgeridoo für das Garma-Festival und die Workshops mitgebracht. Kein Wunder, dass dies den Einwanderungsbehörden suspekt erschien und sie uns einer gründlichen Überprüfung unterzogen. Als Entschädigung erwartete uns im Hotel ein kräftiges, ausgiebiges und echt australisches Frühstück. Gestärkt gingen wir auf den gemeinsamen Stadtbummel. Wenn wundert`s, dass wir meist in Didgeridooshops landeten? So mancher erhoffte sich bereits hier ein taugliches Instrument zu finden. Die Ernüchterung war gross. Die Qualität vieler angebotener Didgeridoos war bedenklich und „verstimmte“ uns nachdenklich. Es machte uns wütend, als wir feststellen mussten, dass viele „Weisse“ auf Kosten der Aborigines billige Touristen-Didgeridoos verkauften. Nach langer Suche entdeckten wir dann ein Aborigine-Laden, welcher auch Didgeridoos von Djalu Gurruwivi anbot. Der Besuch des Aborigine-Museum am Nachmittag bot uns dann erstmals einen wirklichen und tieferen Einblick in die Kultur der Aborigines.
Garma-Festival
Die Zeit um in Städten zu verweilen, war nun endgültig abgelaufen. Die ganze Reisegruppe wollte endlich hinaus in den echten australischen Busch. Wir wurden nicht enttäuscht. Im Gegenteil:
Am nächsten Tag bestiegen wir früh am Morgen das Flugzeug, welches uns in den Nordosten des Arnhem-Land im Northern-Territory bringen sollte. Hier leben die Yolngu-Aborigines. Wir hatten die grosse Ehre, an ihrem Garma-Festival teilnehmen zu dürfen. Dieses überregional sehr bedeutende Festival traditioneller und zeitgenössischer Kunst und Kultur der australischen Ureinwohner wird von der von der weltbekannten Band Yothu Yindi mitgestaltet und unterstützt. Der Zweck besteht darin, in Form einer grossen Feier die kulturellen Erbschaften der Yolngu weiterzugeben. Der alte Ton des Yidaki (Didgeridoo) ist ein Aufruf für alle Menschen sich miteinander zu vereinen. Diesen Aufruf verkündet das jährliche Garma. Es soll die Yolngu-Kultur (eingeborener Leute dieser Region) ins Gedächtnis rufen und im Bewusstsein halten.
Nach einer etwas holprigen Landung in Nhulunbuy (Gove) fielen die ersten Momente eindrücklich aus. Uns wurde plötzlich bewusst, dass wir uns in einer anderen Welt befanden. Nur eine kleine Hand voll sorgfältig ausgewählter Leute erhalten eine Einladung zur Yidaki Masterclass. Wir fühlten uns in höchstem Masse geehrt, dass wir die 40’000-jährige Kultur mit Gesang, Tanz und Zeremonien der Yolngu-Aborigines und auch von anderen Stämmen kennen lernen durften. Wir freuten uns natürlich ganz besonders darauf, Workshops bei berühmtesten Didgeridoo-Spielern zu besuchen.
Und so erschienen am nächsten Morgen alle sehr gespannt zum ersten Yidaki- Workshop unter der Leitung von Master Djalu Gurruwiwi und Milkayngu Mununggurr. Anhand von diversen Aufzeichnungen und Erklärungen wurde uns gezeigt, wie das traditionelle und schon während tausenden von Jahren zelebrierte Spiel im Grundansatz entsteht. Die Sprache der Ureinwohner bildet dabei die Grundlage des Spiels. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen und hoher spielerischer Qualität wurden diese Workshops durchgeführt. Wir waren begeistert und lernten mit Enthusiasmus. Mir wurde bewusst, dass ich niemals fähig sein werde (ist auch nicht nötig), dieses traditionelle und in seiner Art wunderbar und klar strukturierte Spiel jemals so nachspielen zu können, wie die alten Master des Yidakis. Gewisse Elemente versuche ich in mein Spiel einzubauen. Es steht ausser Frage, dass auch meine Musik dadurch stark bereichert wurde.
Zu den absoluten Höhepunkten des Workshops gehörte die Suche nach hohlen Stringybarkbäumen (Eukalyptus). Unter der Führung von Djalu Milkay pirschten wir durch den Busch und hielten Ausschau nach passenden Stücken, um neue Yidakis entstehen zu lassen. Mit der Rückseite einer Axt wird auf die Stämme der Bäume geklopft. Djalu und Milkay suchten auf diese Weise nach Bäumen, welche durch Termiten genügend ausgehöhlt waren. Das Zuschneiden durften die Teilnehmer übernehmen. Manche Rohlinge