Die Einfachheit der Mittel stellt zweifellos hohe Ansprüche an die künstlerische Auseinandersetzung. Die Musik von "Tribe of Sound" erfüllt aber auch hohe Erwartungen: Fernab von modischen Aussi-Pop und esoterischer Traumpfad-Romantik erforschen und entwickeln hier zwei aufmerksame Enthusiasten ihr Spiel in klanglich- rhythmischen Neuland. Neuland, weil die Musik nicht einem gängigen Musikstil zugeordnet werden kann. "Neuland" aber auch als Paradox. Denn bei "Tribe of Sound" wird die Verbindung zum zeitlosen und üblicherweise kaum bewussten Urgrund des Musizierens wieder wahrnehmbar: Die Neugierde und Freude am Ausloten und Wirkenlassen von Klangfarben, Tonintervallen und ihrer rhythmischen Strukturierung. Das Resultat ist eine archaisch wirkende Musik, die direkt und unmittelbar anspricht und dazu animiert, beim Spiel der Musiker innerlich mitzugehen. Thomas Clements und Matthias Müller verschliessen sich auch keineswegs den Einflüssen der Gegenwart. Gelegentlich sind jazzige und funkige Einsätze zu hören. Repetitive Rhythmen erinnern an House oder Techno. Die Musik wird dadurch eingängiger. Sie ist dennoch alles andere als seicht: Die Anklänge an bekannte Stil-Elemente sind bei "Tribe of Sound" nämlich nicht einfach Ausdruckmittel in einem kulturell definierten Zusammenhang. Vielmehr hebt die gezielte und eigenwillige Verwendung die klanglichen und rhythmischen Qualitäten der Fragmente hervor. Auch oft Gehörtes wird dadurch wieder neu erlebbar. Auf diese Weise bietet die Musik von "Tribe of Sound" einen Hörgenuss, der lange nachwirkt.